Offener Brief der UWB – Fraktion als Anfrage zur (z.Z. nicht stattfindenden) offenen

Kinder – und Jugendarbeit der Gemeinde Boostedt

 

Peter Windisch

Zum Bauhof 1  

24598 Boostedt

Tel.: 04393– 2000 + 2825

service@bpi-windisch.de

 

Amt Boostedt – Rickling

z. HD. Herrn Bürgermeister Hartmut König

Twiete 9

24598 Boostedt

Sehr geehrter Herr Bürgermeister König,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

Corona hat zwar Vieles lahmgelegt, speziell die Ausschusssitzungen, was natürlich auch richtig ist. Eine solche Auszeit darf meines Erachtens jedoch nicht dazu führen, dass gar keine politischen Entscheidungen und Notwendigkeiten mehr stattfinden speziell hinsichtlich der sehr notwendigen offenen Kinder – und Jugendarbeit der Gemeinde Boostedt.

 

Mit dem Kündigungsschreiben der Jugendbetreuerin, die nachweislich über Jahre hervorragende Kinder – und Jugendarbeit mit sehr bescheidenen Mitteln geleistet hat, am 12.09.2019 zum 31.12.2019 musste eigentlich allen Beteiligten ziemlich klar sein, dass damit auch die Kinder – und Jugendarbeit so gut wie am Ende ist, also „tote Hose“, wie Jugendliche zu sagen pflegen.

 

Zwar wurde noch sehr eifrig in der Sitzung im JSSS – Ausschuss vom 02.12.2019 dieses sehr wichtige Thema beraten, wobei selbstverständlich berechtigterweise eine Vergrößerung der Räumlichkeiten für die Kinder – und Jugendarbeit (bis heute immer noch im Kellerbereich des Sportlertreffs ohne sanitäre Einrichtungen) gefordert wurde und sogar die Forderung nach einem zu-sätzlichen Jugendraum (mit vernünftiger Fensterbelichtung und Belüftung) ganz oben für alle Parteien einstimmig auf der Liste stand.

 

Damaliger Beschlussvorschlag: „Der Ausschuss für Jugend, Sport, Senioren und Soziales empfiehlt dem Finanzausschuss die Haushaltsmittel für ein FSJler (Freiwilliges soziales Jahr) und einen Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) bereitzustellen und den Stellenplan entsprechend (um eine zusätzliche Honorarkraft zur Entlastung) zu erweitern.“ Zitat – Ende.

 

Ein ganz toller einstimmiger Beschluss, der ganz bestimmt der offenen Kinder – und Jugendarbeit in Boostedt ganz gewaltig nach vorn bringen würde. Leider ist unseres Wissens nach von diesen schönen Lippenbekenntnissen nahezu nichts umgesetzt worden.

 

Keine neuen besser geeigneten Jugendräume mit Fensterlicht und Belüftung, kein zusätzlicher Raum, in dem sich vielleicht die Mädchen als Kinder oder Jugendliche getrennt aufhalten könnten und müssten, keine angegliederten Sanitärräume nach Geschlechtern getrennt, wie es sich eigentlich gehören würde, keine neue und zusätzliche Personalbetreuung, kein zusätzlicher „FSJler“, kein zusätzlicher „Bufdi“, keine zusätzliche Honorarkraft  usw. usw.

Das sind doch keine überzogenen Forderungen für eine vernünftige offene Kinder – und Jugendarbeit, für einen Ort wie Boostedt.

 

Stattdessen wird mit Mehrheit beschlossen, im Schul - und Schulhofbereich eine Überwachung nach Stasimanier mehrere Videokameras zu installieren und in dem gleichen Bereich kein WLAN zu installieren, so O – Ton des Beschlusses im Wege - Werk - und Umweltausschuss vom 17.02.2020 „ Der WLAN - Hotspot im Bereich der Sporthalle wird vom Ausschuss vor dem Hintergrund der langjährigen (?) Vandalismusproblematik  kritisch gesehen. Ein WLAN – Hotspot würde den Außenbereich der Sporthalle und damit das Schulumfeld auch für Menschen attraktiv machen, die dort nicht erwünscht sind.“

 

Es stimmt uns sehr nachdenklich, dass hier mit einem Rundumschlag alle Kinder -  und Jugendlichen als mutmaßliche Vandalisten abgestempelt werden, nur weil sie ein Handy besitzen und gern einen besseren Empfang auf dem Schulhof oder überhaupt in Boostedt durch besseren WLAN -  Ausbau, hätte  zudem der Gemeinde als Gutschein nur ganz geringe (Folge-) Kosten verursacht.

 

Ja, es stimmt, dass in Boostedt viel Geld für die „Kleinen“ der Kita und der Schule (wir sagen nur: Bildungszentrum, A5 – Gebäude, die Neubaupläne der Kita - Erweiterung und die Aufenthaltsräume für eine Tagesmutter in der Wohnung, Hof Lübbe) sowie für die Senioren  mit dem damaligen Seitenanbau im Hof Lübbe ausgegeben wurde und weiterhin ausgegeben wird, und das ist auch gut so.

 

Aber es stimmt auch, dass leider die Schüler und Jugendlichen in Boostedt, also die 7 bis 18 - jährigen, äußerst stiefmütterlich behandelt werden. Es stimmt auch, dass zurzeit das Jahres- Budget  auf  2500 € festgelegt ist und dass davon alle laufenden Kosten und Neuanschaffungen hiermit abgedeckt werden. Wie soll damit nachhaltige Jugendarbeit gemacht werden können?

 

Es stimmt leider auch, dass vor einiger Zeit von irgendwelchen Jugendlichen in dem Schul – und Sportbereich Vandalismus betrieben wurde, was selbstverständlich absolut nicht toleriert werden kann. Fest steht dabei jedenfalls, dass die betreuten Jugendlichen daran nicht beteiligt waren.

 

Die Betreuung der Jugend kann man nicht einfach aussitzen und vor sich herschieben. Warum werden die Jugendlichen und Schüler in die Zukunftsüberlegungen nicht mit eingebunden und nach ihren Wünschen befragt? So wie es einen Seniorenbeirat seit Jahren in Boostedt mit großem Erfolg gibt, sollten doch auch die Jugendlichen als Jugendbeirat ihre Meinungen und Wünsche in die politischen Gremien und Ausschüsse selbstbewusst und unabhängig einbringen. Trauen wir unserer Jugend diese Eigenständigkeit nicht zu?

 

Wir sollten mehr und vor allem zügig in die Jugend investieren, damit auch der Frust abgebaut oder gar nicht erst erzeugt wird, den manche Jugendliche durch mangelnde Berücksichtigung in ihrem Umfeld aufbauen.

 

Wenn nicht wir, wer  dann soll unsere Kinder und Jugendlichen für die Zukunft bereit machen, indem wir sie in der Mitte unserer Gesellschaft ansiedeln und nicht darauf warten, dass andere rechte oder linke Populisten unsere Untätigkeit nutzen, und diese Jugendlichen durch irgendwelche Parolen an die Ränder der Gesellschaft locken, von denen es nur schwer eine Rückkehr geben wird. Dieses Problem, wie in einem weiteren Ausschuss beschlossen, in den noch nicht einmal sich beratenen Dorfentwicklungsplan – Ausschuss auf längere Sicht zu verschieben wird unserer Ansicht nach der Sache absolut nicht gerecht und kann für unsere Kinder und Jugendlichen keinen nachhaltigen Nutzen bringen. Wenn nicht jetzt – wann dann wollen wir ein paar Euro mehr in die Hand nehmen und die notwendigen Grundlagen schaffen, um dieses Frustproblem heute zu lösen?

 

Die Grundlagen für die Zeit nach Corona können auch jetzt schon erarbeitet werden, wenn man es nur will.

 

 

Peter Windisch

Fraktionsvorsitzender UWB