BOOSTEDT IST TOLL!                                                                                   Herzlichen Dank allen Spendern, Helfern und Organisatoren!

Alle wollen Jaron helfen


Fast 700 potenzielle Stammzellenspender kamen zur Typisierungsaktion in die Boostedter Schule Mensa
Bericht SHZ 24.02.2020 Alexandra BuryBOOSTEDT

 

Mit einer großen Welle der Unterstützung reagierten am Sonnabend Menschen aus Norddeutschland auf den Hilferuf der Familie des kleinen Jaron aus Boostedt. 692 potenzielle Stammzellenspender kamen in die Mensa der Grund-und Gemeinschaftsschule, um sich in der Datenbank der Deutschen Knochenmarksspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Der fünf Monate alte Säugling leidet an der erblichen Erkrankung Hämophagozytischen Lymphohistiozytose (HLH), die sein Immunsystem zerstört.


Retten kann ihn nur ein genetischer Zwilling.

 

„Es wäre ein Traum, wenn ich ihm helfen könnte. Ich wollte mich schon lange registrieren lassen, aber als ich die Aufruf gelesen haben, hat es mich tief emotional berührt, denn mein Sohn heißt auch Jaron“, erzählte Josy Jöns, die extra aus Schönkirchen (Kreis Plön) gekommen war. Die 30jährige Mutter gab ihre Schleimhautproben und Daten bei Kathleen Kraatz aus Stralsund ab. Sie war eine der 60 ehrenamtlichen Helfer aus dem Freundeskreis der Boostedter Familie, die in der Mensa die Registrierungen vornahmen.

 

„Die Anteilnahme ist sehr berührend. Wir tun, was wir können, das ist selbstverständlich. Jarons Vater kommt ursprünglich aus der Nähe von Stralsund, daher kennen wir uns“, schilderte Kathleen Kraatz. Die Eltern selbst waren nicht vor Ort, sie wachen seit Wochen am Bett ihres ersten Kindes, das im Uniklinikum Hamburg behandelt wird. „Die Eltern dürfen natürlich keine Keime von außen zu Jaron tragen. Er hat gerade eine kleine Chemotherapie bekommen, die er gut vertragen hat“, berichtete Marleen Bernhardt. Die Neumünsteranerin ist eine Freundin der Familie und hat die Aktion mit auf die Beine gestellt.
Wie es weiter geht, wenn ein Spender gefunden wird, erklärte Stefanie Doss von der DKMS: „Der Patient bekommt eine Chemotherapie, um die eigenen Stammzellen komplett zu vernichten. Dann bekommt er die gesunden Zellen. Läuft 100 Tage alles gut, ist das Gröbste geschafft.“ Stammzellen sind für die Immunabwehr zuständig. Weil das Immunsystem noch ganz frisch ist, müssen die Eltern im ersten Jahr extrem aufpassen, schilderte sie weiter: „Ein Jahr sollte Kontakt mit allem, was krank machen kann, vermieden werden. Besondere Vorsicht gilt bei Tieren, Teppichen, Gardinen, Blumen und auch anderen Kindern.“ Wie die Chancen auf Rettung stehen, konnte sie nicht sagen.

 

Wichtig war aber bei der Registrierung die Angabe der Abstammung, denn Jarons Mutter ist polnischer Abstammung. Stefanie Doss: „Ich könnte zum Beispiel keinem Spanier das Leben retten, dafür bin ich zu norddeutsch.“

 

Hilfe kam aus allen Ecken: Die Lindt-Filiale im Outlet-Center hatte Berge von Süßigkeiten als Dank an die Registrierten bereitgestellt, die Jugendwehr Boostedt hatte auf den Parkplätzen den Verkehr geregelt, die Kinder der Helfer hatten beim Kuchenverkauf geholfen, und die Jugendfußballer der Boostedter D-3-Mannschaft hatten den Erlös einer Tombola übergeben. Insgesamt kamen 6500 Euro aus Spendengeldern zusammen. Die werden für die Typisierungen aufgewendet, die jeweils 35 Euro kosten.